Ein Schriftsteller zwischen Prag, Wien und Tel Aviv: Leo Perutz (1882–1957) hatte – erst recht nach seiner Emigration nach Palästina – ein nostalgisches Verhältnis zu seiner Heimatstadt Prag, der er in dem Exilroman „Nachts unter der steinernen Brücke“ ein farbenprächtiges Denkmal setzte.

Leo Perutz, Sohn eines jüdischen Textilfabrikanten aus Prag, war eigentlich Versicherungsmathematiker – eine Parallele zu dem berühmteren Prager Schriftstellerkollegen Franz Kafka, der seinen Brotberuf bekanntlich mit einigem Widerwillen ausübte. Perutz hingegen befasste sich intensiv mit der Versicherungsmathematik, und mathematische Genauigkeit prägt auch seine historischen Romane, in denen geschichtliche Fakten und spannende Fantastik eine packende Verbindung eingehen.

Erfolgsschriftsteller und Emigrant

Als Autor hatte Perutz entscheidende Impulse von der Wiener und Prager Moderne empfangen: Er verkehrte mit Ernst Weiß, besuchte die Lesungen seines Idols Karl Kraus, Richard Beer-Hofmann zählte zu seinen Freunden und Förderern. In den 1920er Jahren war er ein erfolgreicher Unterhaltungsautor, der von seinen Büchern gut leben konnte.

Doch die Annexion Österreichs durch Nazideutschland zwang Perutz und seine Familie ins Exil. Dieser Bruch mit dem Buchmarkt und seinen Lesern hemmte die Rezeption von Perutz’ Werken auch noch nach 1945, bis es durch Neuauflagen, Verfilmungen und das Interesse der germanistischen Erzählforschung in den 1980er Jahren zu einer Renaissance kam.

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